

Kategorie: Kolping
PREDIGT DER DIÖZESANKONFERENZ 2011
Liebe Kolpingbrüder und -schwestern !
Futurologie heißt die Wissenschaft, die sich mit der Zukunft beschäftigt. Sie erforscht die Natur und die Menschen, ihre Geschichte und ihre Möglichkeiten und zieht daraus Schlüsse. Man will sich einstellen können auf die Zeiten, die kommen, und Entwicklungen rechtzeitig planen und lenken.
Auch wir sind heute zu unserer Diözesankonferenz der Vorsitzenden zusammengekommen, um uns bei unseren Beratungen vor allem mit einer für uns sehr wichtigen Zukunftsfrage zu beschäftigen, der Zukunft unserer Kolpingsfamilien. Viele von ihnen, nicht nur in unserem Bistum, leiden an Überalterung. In vielen bewegt sich nichts mehr. Die Kolpingjugend gibt es in nicht wenigen von ihnen kaum oder gar nicht mehr. Und manche Kolpingsfamilie in Deutschland hat sich sogar ganz auflösen müssen.
Neue Überlegungen gibt es seit langem. Die Kolpinggemeinschaften zum Beispiel sollen ergänzend zu den Kolpingsfamilien dazu kommen und ihnen wieder neuen Schwung verleihen.
Es ist gut, und es ist notwendig, dass wir uns Gedanken machen und planen. Denn: „In der Gegenwart muss unser Wirken die Zukunft im Auge behalten“, sagt Adolph Kolping, „sonst ist unser Streben töricht und wird keinen rechten Sinn tragen können“ (KS 3, S. 152).
Wir werden daher sehr genau überlegen müssen, wie es weitergeht – in unserer Diözese und in jeder unserer einzelnen Kolpingsfamilien. Patentrezepte werden wir keine finden. Denn überall sieht die Situation auch wieder anders aus. Und auch ich will den Ergebnissen unserer Konferenz nicht vorausgreifen.
Aber vielleicht hilft uns zu Beginn des heutigen Tages diese heilige Messe, diese Begegnung jetzt mit dem Herrn in seinem Sakrament und in seinem Wort, das er an uns richtet, mit dem rechten Hintergrund in unsere Beratungen zu gehen, eine Orientierungshilfe zu haben, einen Ausgangspunkt, der uns anregt und es uns leichter macht, den rechten Weg zu finden und zu gehen.
Ich möchte dazu drei Sätze herausgreifen aus der heutigen Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 11,1-7): Der erste Satz heißt: „Glaube aber ist: feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“.
Wenn wir die Zukunft in den Blick nehmen wollen, müssen wir zuerst einmal feststehen im Glauben an Gott, aber auch im Glauben daran, dass unsere Zukunft, die uns noch verborgen ist, in seiner Hand liegt und gut bei ihm aufgehoben ist.
Wenn wir das glauben, brauchen wir nicht zu resignieren und zu verzagen. Wenn wir an diesem Glauben festhalten, dass Gott alles zum Guten führen wird, brauchen wir nicht den Mut zu verlieren und haben keinen Grund, aufzugeben.
Wir werden sogar wieder mehr an Leucht- und Überzeugungskraft gewinnen, und es wird leichter sein, andere für unsere Sache zu begeistern. „Wer wahrhaft vom Glauben ergriffen ist, der ergreift auch alle, über die er gebieten kann, mit seinem Glauben“, sagt Adolph Kolping (KS 3, S. 182). „Der rechte Boden der Arbeit ist der Glaube“ (VK 1851, S. 122).
In unserem Leitbild bekennen wir ja auch ausdrücklich: „Aus dem Glauben an den einen Gott in der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist beziehen wir Auftrag und Motivation. Daraus entwickeln wir die Grundhaltungen für unser persönliches Leben und unser gemeinschaftliches Wirken“ (17).
Bemühen wir uns also auch selber immer wieder neu und beten wir darum, dass wir im Glauben gestärkt werden. Ergreifen wir auch in unseren Kolpingsfamilien immer wieder die Gelegenheit dazu, indem wir religiöse Veranstaltungen anbieten und Glaubensfragen besprechen und indem wir uns treffen zum Gebet und zum Gottesdienst.
Wenn wir feststehen im Glauben, wird uns der Einsatz für das Werk Adolph Kolpings nicht schwer fallen. Dann werden wir immer wieder Kraft finden zu neuen Taten und Ideen und mit ihm sagen können: „Solange uns Gott Kräfte verleiht, schaffen wir rüstig und wohlgemut weiter. Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen“ (KS 2, S. 371).
Ein zweiter Satz aus der heutigen Lesung kann uns Anregung sein. Er lautet: „Auf Grund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten“.
Die Alten werden also als Vorbild vor uns hingestellt. Für uns in unserem Verband heißt das, vor allem auf den seligen Adolph Kolping selbst zu schauen.
Natürlich müssen wir neue Wege und Möglichkeiten suchen und finden. Aber wir müssen immer prüfen, ob sie im Sinn Adolph Kolpings sind, und uns fragen: Was würde er heute tun? Was würde er uns in dieser Situation raten?
„Adolph Kolping“, so steht im Leitbild, „gab ein Zeugnis des Glaubens in seiner Zeit. Als Seliger der Kirche begleitet er auch heute sein Werk und ist uns Vorbild“ (28).
Wichtig ist deshalb, so meine ich, im Sinn Adolph Kolpings, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die Nöte der Menschen zu sehen und ihnen da entgegen zu kommen, wo sie stehen und wo sie Hilfe brauchen. Und auch bei jeder Kolpingsfamilie ist genau an diesem Punkt anzusetzen. Wir können uns gegenseitig helfen und beraten, aber wo und wie wir uns am besten helfen, wird immer der betreffenden Situation vor Ort gerecht werden müssen.
Wichtig ist aber auch, dass wir uns bei allem, was wir planen und tun, als Teil unserer Kirche sehen und uns von ihrer Lehre anregen und leiten lassen, weil wir wissen, wie Adolph Kolping sagt: „Die Gemeinschaft der Gläubigen in dem einen unwandelbaren Glauben, in der einen zuversichtlichen Hoffnung, in der einen heiligen, alles umschließenden Liebe, das ist die Kirche“ (KS 9, S. 109).
Adolph Kolping und unsere Vorgänger im Kolpingwerk haben sich mutig immer wieder den Herausforderungen der Zeit gestellt. In ihrem Eifer und ihrem Einsatz für andere sind sie uns Beispiel und Vorbild.
Und noch einen dritten Satz möchte ich herausgreifen aus der Lesung aus dem Hebräerbrief. Er heißt: „Auf Grund des Glaubens wurde Noach das offenbart, was noch nicht sichtbar war, und er baute in frommem Gehorsam eine Arche zur Rettung seiner Familie“.
Uns, liebe Kolpingschwestern und –brüder, ist noch nicht offenbar, was noch nicht sichtbar ist, und wir bauen auch keine Arche mehr.
Aber im Gehorsam Gott, unserem seligen Gesellenvater und unserem Auftrag gegenüber bauen wir gemeinsam an einer Weggemeinschaft der Generationen, an der Zukunftsfähigkeit unseres Verbandes und unserer Gesellschaft und an der Verwirklichung des christlichen Glaubens und Lebens in der Familie, im Beruf und in der einen Welt. Wir nehmen weder Tiere des Landes noch des Wassers noch der Lüfte bei uns auf, aber junge und alte Menschen aus allen Teilen dieser Erde, aus verschiedensten Berufen und von unterschiedlicher Herkunft, und Christen aller Konfessionen sind zur Mitarbeit bei uns eingeladen.
Ja, wir sollen feststehen im Glauben, aber uns ein Vorbild an den Alten auch darin nehmen, dass wir selber nicht die Arme in den Schoß legen, sondern tun, was wir können.
„Bei allem, was du tust, arbeite so, als ob der Erfolg einzig von deiner Bemühung abhinge“, sagt Adolph Kolping; „erwarte aber diesen Erfolg so ganz von Gott, als ob du von deiner Seite gar nichts tun könntest. Das heißt, verbindet mit der eigenen Anstrengung, mit dem Aufgebote aller Kräfte das unbedingteste Gottvertrauen“ (KS 4, S. 56).
Liebe Kolpingschwestern und –brüder:
„Vertrauend der Gnade des Herrn, der durch Schwache die Taten seiner Herrlichkeit ausführt, gehen wir [darum auch heute] mutig in den Weinberg des Herrn, in seinem Namen unser Tagwerk beginnend“ (KS 2, S. 100). Amen.
Hilpoltstein, 19. Februar 2011
Dr. Stefan Killermann
Diözesanpräses