17.06.2011 11:40 Alter: 338 days
Kategorie: Kolping

KBW besichtigt Berlin


„Setzen Sie sich für die Demokratie ein“ - Reise in die deutsche Vergangenheit und Gegenwart des Kolping-Bildungswerkes

 

Eichstätt/Berlin Während der politischen Bildungsreise des Kolping-Bildungswerkes konnten die Teilnehmer hautnah Politik und Geschichte Deutschlands erfahren. Sowohl im Bundestag wie im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen stand das Thema „Demokratie“ im Mittelpunkt.

 

Beim 40jährigen Gründungsjubiläum des Kolping-Bildungswerkes im vergangenen Jahr lud Bundestagsabgeordneter Dr. Reinhard Brandl zu einem Berlinbesuch ein. Vorstandsmitglieder, Mitarbeiter und Teilnehmer in den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen machten sich daher auf den Weg, Geschichte und Gegenwart der Hauptstadt zu erkunden. Aufbau und Fall der Berliner Mauer waren dabei ebenso Thema wie die Schicksale der jüdischen Mitbürger in der Nazi-Zeit, die am Holocaust-Mahnmal diskutiert wurde. Der Höhepunkt des Besuchs im Bundestag war das Gespräch mit Dr. Reinhard Brandl, MdB, der aus seiner Arbeit berichtete und die Funktionsweise des Parlaments beschrieb. Der Besuch des Plenarsaals und die Besteigung der Kuppel auf dem Reichstag mit herrlichem Blick über Berlin faszinierten nicht nur die jugendlichen Teilnehmer. Sehr beeindruckend gestaltet wurde die Besichtigung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, dem ehemaligen sowjetischen Speziallager und Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit. Fensterlose, bunkerartige Zellen mit nur einer Holzpritsche und einem Kübel ausgestattet, zeigten deutlich die Methodik des Terrors auf. Ein Zeitzeuge, der die Gruppe durch die Gebäude führte, berichtete, wie die von der Außenwelt hermetisch abgeschnittenen und von den Mithäftlingen streng isolierten Regimekritiker in stundenlangen Verhören mürbe gemacht wurden. Besonders an die Jugendlichen gewandt, sagte der Zeitzeuge: “Setzen Sie sich für die Demokratie ein. Lassen Sie nicht zu, dass so etwas je wieder geschieht“. Diese Sätze werden allen Teilnehmern der Bildungsfahrt sicher im Gedächtnis bleiben. Wie wichtig für das Zusammenleben der Menschen der Gottesbezug ist, machte der gleiche Führer auf indirekte Weise deutlich: Da es noch viele weiße Flecken in der Erforschung der Geschichte der Gedenkstätte gibt, wäre es wichtig, wenn die, die zu den Peinigern gehörten, endlich – und hier rang er um das richtige Wort, das einem religiös geprägten Menschen leicht von den Lippen gehen würde – „... den Kopf freikriegen und gestehen würden...“. Gemeint war, dass die Schergen der jeweiligen Systeme die Stimme ihres Gewissens sprechen lassen sollten, um zur Aufklärung beizutragen. So lieferte das Besuchsprogramm den Teilnehmern der Fahrt viele Diskussionspunkte der politischen Bildung. Dies galt auf humorvolle Weise auch für den Besuch von Köpenick, wo man dem Historienspiel zum gleichnamigen Hauptmann beiwohnte. Der gehorsame Untertanengeist, der beim Spiel um den Schuster Wilhelm Vogt auf die Schippe genommen wurde, führte zurück in die Kaiserzeit. Der Gang über die Glienicker-Brücke, die als „Agentenbrücke“ während der Zeit der deutschen Teilung berühmt wurde, nutzte der Reisebegleiter aus einer Berliner Kolpingsfamilie, um den Besuchern noch einmal die tiefen Einschnitte in das Alltagsleben der DDR-Bürger deutlich vor Augen zu führen. Den Abschluss der Reise bildete Potsdam mit den russischen und holländischen Siedlungen sowie Schloss Sanssouci.

 

HINWEIS:

Herr Chistian Mesus stand während der Berlinfahrt den Teilnehmern als Reiseführer zur Seite. Wenn auch Sie als Kolpingsfamilie eine Berlinfahrt planen und einen Reiseführer suchen, können Sie sich an Herrn Mesus wenden.

Christian Mesus
cmesus@versanet.de