

Kategorie: Kolping
"Finger weg von dem Zeug"

Tobias Ulm, hier mit Diplom-Sozialpädagogin Simone Fischer, berichtete nicht nur über seine „Drogenkarriere“, sondern trug auch Lieder dazu vor, die er selbst verfasst hat. Das Drogenpräventionsprojekt erreichte rund 400 Schüler in 18 Klassen - Foto: oh
Eichstätt (EK) Initiiert von der Jugendsozialarbeiterin Simone Fischer, fand ein Drogenpräventionsprojekt in 18 Klassen der Berufsschule Eichstätt statt und erreichte damit rund 400 Schüler. Dabei trat der 23-jährige Tobias Ulm aus Burgheim auf, der über seine Erfahrungen mit Drogen berichtete.
Ulm will mit seiner Geschichte Jugendliche warnen und vor den schrecklichen Erfahrungen bewahren, die er durchlebt hat. Den ersten Joint rauchte er mit 15. Danach schlitterte er schnell in die Abhängigkeit. Dummheit, Naivität, vielleicht auch Neugier auf Unerlaubtes und Unbekanntes ließen ihn immer tiefer in den Drogenstrudel geraten. Die Sucht hatte ihn schnell im Griff. Bereits nach einem halben Jahr waren seine Hauptdrogen Marihuana und „Speed“. Ulm war experimentierfreudig: Haschisch, Pillen, LSD – er konsumierte alles.
Sein Taschengeld reichte zur Finanzierung der Drogen nicht mehr aus. Er rutschte in die Beschaffungskriminalität ab; es folgten Diebstähle und Einbrüche. Bewährungsstrafen konnten nichts bewirken – die Sucht war stärker. Nach fünf Wochen Jugendarrest wurde er auf Bewährung verurteilt. „Das war mir damals total egal, Hauptsache, ich konnte wieder kiffen“, erinnert sich Ulm. Es dauerte nicht lange, und er verstieß gegen die Bewährungsauflagen und fand sich im Gefängnis wieder. Zuletzt musste er für 26 Monate in den Knast.
Er trat der Knastband bei und fand in der Musik große Kraft. „Ich brachte mir selbst das Gitarrespielen bei und schrieb eigene Texte nieder“, erzählt der ehemalige Drogenabhängige.
Dort machte er in einer sehr harten Zeit einen „kalten Entzug“ durch. Bei einem Ausgang lernte er die Außenwelt neu kennen: „Freiheit ist ein Highlight!“, rappt er in einem seiner Songs. Daraufhin beschloss Ulm, die Finger von den Drogen zu lassen, was ihm trotz Rückschläge auch gelingt. „Seit Mai 2009 bin ich clean“, berichtet er stolz.
Nach seiner Haftzeit hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Drogenerfahrungen nicht einfach nur selbst zu verarbeiten, sondern auch andere Jugendliche aufzuklären. Ein Schicksal wie seines möchte Ulm anderen Jugendlichen ersparen.
Noch im Gefängnis beendete Ulm seine Ausbildung zum Metallbauer. In diesem Beruf arbeitet er heute und besucht in seiner Freizeit Schulen und Jugendzentren, um jungen Menschen von seiner Geschichte zu erzählen. „Lasst die Finger weg von dem Zeug!“, mahnt Ulm.
Sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern hat das Projekt Eindruck hinterlassen. Die Schilderungen Ulms über seinen Kampf gegen die Drogen wirkten abschreckend. „Durch seine authentische und lebendige Art konnte Tobias Ulm die Jugendlichen erreichen und hat damit Wirkung an unserer Schule hinterlassen,“ erläutert die Jugendsozialarbeiterin Simone Fischer.
Prävention und Projektarbeit sind neben dem Beratungsangebot für sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte junge Menschen Hauptaufgaben der JaS-Jugendsozialarbeit an Schulen.
Eichstaetter Kurier vom 21.10.2011
Das Drogenpräventionsprojekt an der Berufsschule Eichstätt wurde von Simone Fischer, der Sozialpädagogin des Kolping Bildungswerkes initiiert und organisiert. An dem Projekt nahmen 18 Klassen an 2 Tagen teil. Erreicht wurden damit ca. 400 Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Eichstätt.