

Kolping im Bistum Eichstätt

Drei Tage nach seiner Wahl zum Bischof von Rom hat Papst Franziskus einen Zweifel behoben, indem er sagte: „Manche wussten nicht, warum der Bischof von Rom sich Franziskus nennen wollte. Einige dachten an Franz Xaver, an Franz von Sales und auch an Franz von Assisi. Ich erzähle Ihnen eine Geschichte. Bei der Wahl saß neben mir [...] Kardinal Claudio Hummes – ein großer Freund [...]! Als […]die Stimmen zwei Drittel erreichten, erscholl der übliche Applaus, weil der Papst gewählt war. Und er umarmte und küsste mich und sagte zu mir: „Vergiss die Armen nicht!" Und da setzte sich dieses Wort in mir fest: die Armen […]. Dann sofort habe ich […] an Franz von Assisi gedacht. Dann habe ich an die Kriege gedacht, während die Auszählung voranschritt bis zu allen Stimmen. Und Franziskus ist der Mann des Friedens. So ist mir der Name ins Herz gedrungen: Franz von Assisi. Er ist für mich der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt. […] Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!“
Liebe Kolpingschwestern und -brüder, Papst Johannes Paul II. der in seinem Pontifikat 104 Reisen ins Ausland unternommen und dabei 127 Länder besucht hat, wird der Nachwelt vielleicht als der große Missionar in Erinnerung bleiben, der nach dem Vorbild des hl. Franz Xaver bis an die Enden der Erde fuhr, um die Menschen für den Glauben an die Kirche zu gewinnen.
Papst Benedikt XVI. wird als großer Lehrer des Glaubens in die Geschichte eingehen, dessen Predigten, Ansprachen und Bücher man nach hunderte Jahre nach seinem Tod noch mit so großem Gewinn lesen wird wie die Schriften des hl. Franz Xaver.
Papst Franziskus wird sich bestimmt auch diese zwei großen Heiligen zum Vorbild nehmen. Er aber möchte anscheinend in erster Linie dem heiligen Franz von Assisi nachfolgen, dem Vater der Armen, der alles weggeschenkt hat, was er hatte, um auf diese Weise der Welt zu zeigen, wie unwichtig die vergänglichen Güter sind und wie wichtig die unvergänglichen.
Und dass dem neuen Papst der Friede wichtig ist, der auch für den hl. Franziskus so große Bedeutung hatte, ist nicht nur selbstverständlich, sondern unbedingt notwendig. Denn der Papst muss der Welt Vorbilds und Mahner sein zu Frieden und Versöhnung, so wie es auch seine Vorgänger alle gewesen sind. Und das gilt auch in unserer Zeit nicht nur für den Frieden unter den Völkern, sondern ebenso für den Frieden unter den einzelnen Menschen, in einer Zeit, in der in mehr Familien als je zuvor der Ehefriede zerbricht und die Menschen sich gegenseitig ausbeuten und bekämpfen, weil sie immer noch reicher und mächtiger werden wollen als andere.
Schließlich ist dem Hl. Vater der hl. Franziskus auch wichtig, weil wir die Schöpfung lieben und bewahren müssen wie er. Es ist zwar in unserer Zeit modern, für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Und doch schädigen wir sie immer wieder und nehmen sie rücksichtslos für unsere eigenen Interessen in Gebrauch. Liebe zur Schöpfung heißt auch nicht nur, das Gras und die Algen wachsen zu lassen und biologische Produkte zu verspeisen. Liebe zur Schöpfung heißt vor allem auch, die Ordnung, die Gott der Welt und dem Menschen gegeben hat, zu achten und zu bewahren. Und deshalb sagt der neue Hl. Vater ganz klar, was uns Menschen erlaubt ist und was nicht, was eine Ehe ist und was nicht, was ein menschliches Leben ist von der Empfängnis bis zum Tod, was nach Jahrtausende langer Überzeugung dem Willen Gottes entspricht und was nicht.
Viele Ungläubige, die keine Ahnung haben vom katholischen Glauben, aber überall mitreden wollen und unerbetene Ratschläge erteilen, aber auch viele Gläubige erwarten sich vom neuen Papst nun Reformen wie die Erlaubnis der Abtreibung, die Freistellung des Ehebruchs, die Aufhebung des Zölibats, die Einführung des Frauenpriestertums, die Kommuniongemeinschaft mit Christen, die nicht an die Gegenwart Christi in der Hostie glauben, und vieles andere mehr.
Der hl. Franz von Assisi hat die Kirche von Grund auf erneuert, aber nicht etwa, weil er ihre Gesetze und Gebote in Frage gestellt hatte. Nein, der hl. Franz von Assisi war der Heilige der Demut und des Gehorsams, der sich den zum Vorbild genommen hat, der gesagt hat: Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben, sondern um es zu erfüllen.
Franz von Assisi hat die Kirche erneuert, und auch dem neuen Papst wird es gelingen, wenn er so demütig und bescheiden den Glauben verkündet und lebt, wie er es in den ersten Tagen seines Pontifikats unter Beweis gestellt hat. Vergessen wir nicht: Der Papst ist unfehlbar, wenn er ein endgültiges Urteil in Glaubens- und Sittenfragen fällt, aber nie kann er dabei gegen überlieferte Glaubenswahrheiten verstoßen, nie sich über die Hl. Schrift und die endgültig von seinen Vorgängern festgestellten Wahrheiten hinwegsetzen.
Wenn der neue Papst also die Kirche erneuern und reformieren soll, dann nicht dadurch, dass er bewährte Gebote und Gesetze aufhebt und die Ordnung der Kirche durcheinander bringt. Viel wichtiger ist, dass er zeigt: Es muss nicht das größte und teuerste Auto sein, in dem man fährt, und es müssen auch nicht die wertvollsten Gewänder sein, die man trägt. Wer meint, durch irdischen Reichtum glücklich zu werden, der muss sich fragen, wie ein Kamel durch ein Nadelöhr durchkommen soll. Noch wichtiger, ja am wichtigsten aber ist es, dass es dem Heiligen Vater gelingt, den Glauben und die Kirche in den Herzen der Menschen zu erneuern, dass sein gutes Beispiel diejenigen, die alles besser wissen wollen und für eine andere Kirche eintreten, wieder dazu bringt, demütig und gläubig anzunehmen, was katholisch ist im Hinblick auf die Ehe, die Geschlechtlichkeit, die Gegenwart Christi im Allerheiligsten Sakrament des Altares, den Priesterstand und die Verpflichtungen des Priesters.
Wenn Papst Franziskus die Kirche also im Geist des hl. Franz von Assisi erneuern will, dann wird er sich dafür einsetzen, dass wieder mehr Menschen fragen: Was sagt die Kirche, und weniger: Was will ich, dass die Kirche sagen soll? Dass sie wieder mehr ihr eigenes Gewissen erforschen als Fehler bei anderen zu suchen. Dann wird er sich dafür einsetzen, dass die Menschen nicht in erster Linie fragen, ob die Kirche und ihre Vorschriften zeitgemäß sind und den Erwartungen der modernen Welt entsprechen, sondern er wird sich dafür einsetzen, dass die Menschen wieder mehr fragen: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Dann wird er uns wieder bewusst machen, dass wir als Christen nicht fragen sollen: Was erwarte ich jetzt von der Kirche? Sondern: Was erwartet die Kirche jetzt von mir? Wenn es dem Hl. Vater gelingt, die Welt wieder näher an Christus zu führen und auf diese Weise möglichst vielen Menschen zum ewigen Leben im Himmel zu verhelfen, dann hat er den Auftrag erfüllt, der ihm vom Herrn gegeben worden ist, dann ist alles andere zweitrangig und drittrangig.
Der alte Lenin, der vielleicht bekannteste Kommunist aller Zeiten, der am 21. Januar 1924 verstorben ist, soll auf seinem Sterbebett bekannt haben: „Ich habe mich getäuscht. Um Russland zu retten, was wäre nötig gewesen? Zehn Männer wie Franz von Assisi“.
Hoffen und beten wir also, dass unser Hl. Vater Papst Franziskus mit der Gnade Gottes so wirksam zur Rettung der Welt und der Menschheit beitragen kann wie einst sein Namenspatron, der hl. Franz von Assisi.
Msgr. Dr. Stefan Killermann
Diözesanpräses
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